• Leben und leben lassen

Leben und leben lassen

28.06.2019

Nachbarschaftsstreit wegen Grill – Immer wieder kommt es während der Sommermonate zu unnötigen Gehässigkeiten unter Nachbarn. Schuld ist nicht selten Unachtsamkeit im Zusammenhang mit Grillfesten. Um Streitigkeiten zu vermeiden, ist Toleranz von allen Seiten gefragt.

Vo Schönebuech bis Ammel, vom Bölche bis zum Rhy, wird derzeit wieder an allen Ecken und Enden grilliert. Doch was ist diesbezüglich überhaupt erlaubt? Gibt es Einschränkungen? Worauf gilt es zu achten? Welche Regeln müssen eingehalten werden?

Während für Mieterinnen und Mieter die entsprechenden Vorschriften explizit im Vertrag bzw. der Hausordnung durch die Hausverwaltung festgehalten werden, gestaltet sich die Angelegenheit für Hauseigentümerinnen und -eigentümer naturgemäss nicht ganz so einfach. Im Prinzip dürfen diese ja auf ihrem eigenen Grund und Boden im Rahmen des Gesetzes tun und lassen, was sie wollen.

Und dennoch: Einige Punkte gilt es zu beachten, wenn man nicht in eigentlich leicht vermeidbare Nachbarschaftsstreitigkeiten geraten will. «Vom Grill darf sicher keine Beeinträchtigung der Nachbarn ausgehen, welche über das normale Mass hinausgeht», sagt Fürsprecherin Barbara Gfeller, die Geschäftsführerin des HEV Baselland. Dieses «normale Mass» sei aber nicht immer ganz eindeutig definiert.

Empfinden des Durchschnitts

Fest steht, dass massgeblich ist, wie der Durchschnittsmensch die entsprechenden Emissionen empfindet. «Wer also besonders empfindlich ist, wird durch das Gesetz nicht automatisch geschützt.»

Konkret gilt laut Barbara Gfeller im Grundsatz aber, dass es die Nachbarn nicht hinnehmen müssen, wenn der Qualm des Grillfeuers in ihre Wohnungen gelangt und in ihren eigenen vier Wänden «für erhebliche Geruchsbelästigung sorgt». Als übermässig gelte eine Geruchsbelästigung, wenn Nachbarn die Fenster während längerer Zeit nicht mehr öffnen können.

Die Juristin rät darum, beim Grillfest auf die Nachbarschaft Rücksicht zu nehmen und im Zweifelsfall einen Elektro-, Gas- oder rauchfreien Grill zu verwenden und auf den Kohlegrill zu verzichten.

Leisere Töne nach 22 Uhr

Aus Erfahrung weiss die Juristin, dass es damit aber nicht immer getan ist. Oftmals kommt es nämlich während der Grillsaison nicht nur wegen der Geruchsbelästigungen zu bösen Streitigkeiten und entsprechenden Klagen. Auch der Lärm, der bei einem Grillfest dann und wann entsteht, führt regelmässig zu nachbarlichem Zwist.

Diesbezüglich sind die Regeln jedoch klarer als beim Fall der Geruchsbelästigung. «Wer nach 22 Uhr noch draussen am Feiern ist, sollte maximal in Zimmerlautstärke oder gar noch leiser, also mit Tischlautstärke, sprechen.»

Party ins Hausinnere verlegen

Im Zweifelsfall gelte es, das Fest ins Hausinnere zu verlegen, rät die Geschäftsführerin des HEV Baselland. Denn bei mangelnder Rücksichtnahme riskiere man eine Busse wegen Nachtruhestörung. Dies gelte auch, wenn man die Party auf seinem eigenen Grund und Boden steigen lasse.

Wer also ohne Streit grillieren möchte, für den gilt: Toleranz üben nach der Devise «leben und leben lassen». Und noch ein Tipp der Redaktion: Vielleicht laden Sie die Nachbarn zum Grillieren ein und feiern gemeinsam. Dann kommt es ganz bestimmt nicht zu einem Nachbarschaftsstreit. dan